Liebe, Hass, Intrigen und Schicksalsschläge ...

 

New York, 1989:

Als die junge Schauspielerin Jasmin Tyler die Hauptrolle im neuesten Steve-Conelly-Film erhält, ist sie überglücklich. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass der Regisseur so charmant und attraktiv ist. Die verwirrenden Gefühle, die sie für Steve zu entwicken beginnt, bringen die Beziehung zu ihrem Verlobten in Gefahr.
Steve erwidert Jasmins Gefühle, erfährt jedoch, dass die ehrgeizige und erfolgreiche New Yorker Geschäftsfrau Linda Cooper, mit der eine kurze Affäre hatte, ein Kind von ihm erwartet, für das er auf jeden Fall Verantwortung übernehmen will. Eine Tatsache, die Linda rücksichtslos zu ihrem Vorteil nutzt.
Während die Dreharbeiten in London und Rom fortgesetzt werden, vertieft sich die Beziehung zwischen ihm und Jasmin, sie steht jedoch unter keinem guten Stern...
Auch Jasmins Freundin, die junge Sängerin Gina de Marco, hat Probleme. Sie bekämpft die Dämonen ihrer Kindheit, allerdings mit den falschen Mitteln. Das hat fatale Folgen...

 

 

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Leseprobe aus "Puppenspiel mit Dame"

 

 

Januar 1989

 New York

 

Die Mittagssonne schien direkt durch das kleine Fenster, so dass man ihm genau ansehen konnte, dass es dringend geputzt werden musste. Jasmin wünschte sich einen Lappen, einen Eimer mit Wasser und ein Reinigungsmittel. Um sich von der schmutzigen Scheibe abzulenken sah sie sich in dem Raum um, in dem sie mit fünf anderen jungen Schauspielerinnen saß. Jedes einzelne dieser Mädchen war jung, hübsch und vermutlich auch talentiert, sonst wären sie nicht in der Endauswahl. Alle waren in ihren Text vertieft, um die geforderte Szene ohne Patzer spielen zu können.

 Auch Jasmin senkte wieder den Blick und ging noch einmal den Dialog durch, obwohl sie das Gefühl hatte, dass inzwischen jedes einzelne Wort in ihr Hirn eintätowiert war – vermutlich für den Rest ihres Lebens.

 Drei der Mädchen lasen leise, zwei andere jedoch murmelten halblaut vor sich hin, was die leise Lesenden irritierte und zu ärgerlichen Blicken und gerunzelten Stirnen führte.

 „Jasmin Tyler!“

 Sie zuckte kurz zusammen als ihr Name durch den Raum hallte, dann stand sie auf und folgte der korpulenten Frau mit dem weißblonden Igelhaarschnitt, die ihren Namen gerufen hatte.

 Sie gingen durch die Tür, einen neonbeleuchteten Flur entlang und eine schmale Treppe hinab. Jasmins hohe Schuhe klapperten auf den gefliesten Stufen, die gummiartigen Sohlen der Igelfrisur vor ihr erzeugten nur ein schüchternes Schmatzen. Schließlich öffnete die Frau eine schwere Tür und ließ Jasmin an sich vorbeigehen ohne etwas zu sagen oder auch nur ein Lächeln anzudeuten.

 Die hat ja wirklich Freude an ihrem Job, dachte Jasmin, zog unauffällig eine Grimasse und trat ein.

 Rechts war die Bühne, links von ihr saßen zwei Männer und eine Frau an einem Tisch, alle mit Kugelschreiber, Klemmbrett und einem ernsten Gesichtsausdruck ausgestattet.

 Jasmin ging lächelnd auf sie zu und gab jedem die Hand.

 „Hallo, schön, Sie wieder zu sehen“, sagte sie höflich.

 Vor dem Mann in der Mitte lag ihr Foto, auf deren Rückseite ihre bisherigen Rollen und ihre persönlichen Angaben standen. Er nickte ihr kurz zu.

 „Können wir?“ Seine Stimme klang rau, als wäre sie vor kurzem arg strapaziert worden.

 „Natürlich.“

 Sie drehte sich um und stieg die drei Stufen zur beleuchteten Bühne hinauf. Fast wäre sie dabei gestolpert, konnte sich jedoch rechtzeitig fangen. Ihr Herz schlug noch ein paar Takte schneller.

 Auf der Bühne wartete bereits ein dünner junger Mann mit einem kleinen Ziegenbart. Jasmin stellte sich ihm gegenüber auf und sah hinab zu den drei Menschen, die darüber entscheiden würden, ob sie am Ende die Rolle bekommen würde oder nicht.

 Der Mann mit der rauen Stimme hob eine Hand. „Sind Sie bereit?“

 Sie nickte. „Ja.“

 Er streckte die Hand nach vorn. „Und – bitte!“

 Schon kam der Ziegenbart mit schnellen Schritten auf sie zu, blieb vor ihr stehen und stemmte die Hände in die Seiten. „Was fällt dir eigentlich ein?“

 „Was mir einfällt?“ fragte sie empört und trat einen weiteren Schritt auf ihn zu. Mit dem ausgestreckten Zeigefinger deutete sie auf ihn. „Du belügst und hintergehst mich, und wenn ich dir auf die Schliche komme, machst du mir Vorwürfe! Du bist der schäbigste Mistkerl, dem ich je begegnet bin!“

 

  Zwanzig Minuten später war Jasmin auf dem Weg nach Hause und ging im Taxi noch einmal jedes Wort, jede Betonung und jede Geste durch, die sie gesagt, gemacht und unterlassen hatte. War sie gut genug gewesen? Hatte sie überzeugen können? Eine Antwort würde sie erst dann bekommen, wenn der Anruf ihres Agenten kam. Sie seufzte und begann, auf ihrem Daumennagel herumzukauen. Das Warten war viel schlimmer als das Vorsprechen selbst.

  Der offenbar aus Indien stammende Taxifahrer schimpfte lautstark und mit schwer verständlichem Akzent über das Wetter. Jasmin ließ die Hand sinken und sah aus dem Fenster. Es begann wieder zu schneien. Die Sonne, die gerade noch geschienen hatte, war hinter den dicken Wolken verschwunden, die ihre weiße Pracht auf die Straßen, die Autos und die Menschen herab rieseln ließen. Im Nu sah alles aus wie mit Puderzucker bestäubt. Seit Tagen gab es immer wieder Schneeschauer. Zu Weihnachten dagegen hatte es pausenlos geregnet. Jasmin wünschte sich die Rolle schon deshalb, weil die Dreharbeiten in Kalifornien stattfinden würden. Wenn es klappte hätte sie ab dem nächsten Monat wieder Sommer. Ein verträumtes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.

 

Los Angeles

Es war verdammt heiß in Charles’ Büro, obwohl es erst neun Uhr morgens war. Offensichtlich war mal wieder die Klimaanlage ausgefallen. Steve Conelly war nicht der Einzige, dem die Schweißtropfen auf der Stirn standen. Er griff sich seine Unterlagen und wedelte sich damit etwas Luft zu. Viel brachte es nicht.

 Während er sich bemühte, Charles’ Ausführungen zu folgen, trank er sein Wasserglas leer und musterte den Produzenten. Charles Lancaster hatte sein Hemd so weit aufgeknöpft, dass nicht nur die graumelierten Brusthaare zu sehen waren, sondern auch ein Silberkettchen mit einem Kreuz als Anhänger.

 „Also, Beginn wie gesagt am 13. Februar. Einen Monat vorher, am 14. Januar, treffen wir uns mit den weiteren Produzenten und Geldgebern, den Hauptdarstellern und so weiter bei George White. Er hat sein Penthouse in Manhattan zur Verfügung gestellt. Für die Hauptrolle ist Tom Becker verpflichtet worden, die abschließenden Castings für die weibliche Hauptrolle laufen noch, werden aber in diesen Tagen abgeschlossen.“

 Charles fuhr sich mit der Hand über seine sommersprossige Glatze. Die wenigen Haare, über die er rund um den Kahlkopf noch verfügte, schimmerten feucht. Er wandte sich an Steve. „Ich hoffe, du wirst am nächsten Samstag ebenfalls durch Anwesenheit glänzen.“

  Steve grinste. „Manhattan im Januar? Klar, wieso nicht? Das klingt ausgesprochen reizvoll.“  Er zog eine leichte Grimasse.

 Charles blätterte in den Papieren auf dem Tisch und nickte. „Gut. Der Regisseur sollte nun mal dabei sein.“

 Er wandte sich wieder sämtlichen Mitarbeitern zu, die sich rund um den großen Besprechungstisch versammelt hatten.

 „Das Drehbuch ist fertig, die Arbeiten am Storyboard werden rechtzeitig zu Drehbeginn abgeschlossen sein, wurde mir jedenfalls versichert.“ Er verdrehte leicht die Augen und grinste Steve an. Dann nickte er seiner Assistentin Wendy zu, die daraufhin aufstand, aus einem Karton einen Stapel Bücher holte und an die Anwesenden verteilte.

 Steves Blick fiel auf seine Assistentin Leslie Hershkowitz, die neben ihm saß und die letzten Tropfen Wasser aus ihrem Glas mit der Zunge auffing. Ihr enttäuschter Blick zeigte, dass ihr Durst noch längst nicht gestillt war. Kein Wunder! dachte Steve und wandte sich an Wendy, die noch immer die Drehbücher verteilte.

 „Sag mal, habt ihr noch etwas Wasser in dieser Sauna?“ fragte er und hob sein leeres Glas. „Bei dieser Hitze vertrocknen meine grauen Zellen.“

 Wendy schmunzelte. „Davon hast du noch welche?“ fragte sie kess.

 „Nicht mehr allzu viele, also sei so lieb, und besorge uns etwas zu trinken, ja?“ bat Steve und zeigte sein charmantestes Lächeln.

 Wendy zwinkerte ihm fröhlich zu. „Für dich tue ich doch alles.“ Damit verließ sie den Raum.

 Leslie grinste ihn an und formte mit dem Mund ein „Danke“.

 Steve grinste zurück. „Gern geschehen“, flüsterte er und schlug das Drehbuch auf.

 

Als die Besprechung endlich zu Ende war fuhr Steve erleichtert nach Hause. Er hatte sich vor drei Jahren einen Bungalow in Pasadena geleistet und freute sich immer wieder, wenn er die Kiesauffahrt hinauffuhr. Heute munterte ihn besonders der Gedanke an seinen Pool auf, er hatte eine Abkühlung dringend nötig.

 Doch vorher musste er in New York anrufen. Dort war es jetzt früher Nachmittag, das bedeutete, dass seine Mutter hoffentlich noch ansprechbar war. Nach fünf Uhr nachmittags war sie meist schon so angetrunken, dass ein Telefonat mit ihr zur Qual wurde.

  Seufzend ging Steve in sein Arbeitszimmer, warf das Drehbuch auf den überfüllten Schreibtisch und setzte sich. Dann ergriff er den Hörer und wählte die bekannte Nummer.

 „Hallo?“

 „Hi Mom, ich bin’s.“

 „Steve! Endlich meldest du dich mal wieder. Wie geht es dir, mein Junge?“

 „Danke, sehr gut. Und wie geht es dir?“

 „Ach, wie immer. Ich warte gerade auf Alex. Er hatte einen Termin bei seinem Arzt und müsste jeden Moment zurück kommen.“

 „Wie geht es ihm?“

 „Nicht besonders. Er wiegt nur noch 69 Kilo.“

 Steve fuhr sich mit der freien Hand über das Gesicht. Alex war sein Zwillingsbruder und er selbst wog ungefähr 88 Kilo. Die Sorge um seinen Bruder schnürte ihm den Magen zusammen.

 „Ich wollte dir nur sagen, dass ich euch schon sehr bald besuchen kann“, teilte er seiner Mutter mit. „Am 14. komme ich nach New York und werde ein bis zwei Wochen bleiben.“

 „Oh, das ist schön!“ freute sich Louise Conelly. „Du wirst doch hier bei uns wohnen?“

 „Tut mir leid, nein. Charles Lancaster hat bereits ein Hotelzimmer für mich reserviert“, log er. „Die Gesellschaft bezahlt, das muss man ausnutzen.“

 Die Wahrheit war, dass er den Anblick seines kranken Bruders und seiner trinkenden Mutter nur in Maßen ertragen konnte.

 „Verstehe“, sagte Louise. „Ich freue mich trotzdem auf dich, mein Junge.“

 „Ich freue mich auch auf euch.  Grüß Alex schön von mir. Wir sehen uns dann nächste Woche.“

 „Gut. Oh, da kommt dein Bruder gerade. Bleib mal kurz dran, ja?“

 Steve hörte, dass sich die Wohnungstür schloss und dann die Stimme seiner Mutter. „Und? Was hat der Arzt gesagt?“

 Steve konnte die Antwort nicht verstehen, sein Bruder war zu weit entfernt. Dann drang ein lautes Poltern, Krachen und Knacken an sein Ohr, so dass er den Hörer mit einer hastigen Bewegung vom Kopf wegriss. Er glaubte, einen Schrei gehört zu haben. Was war da los? Es klang, als hätte seine Mutter den Hörer fallen gelassen.

 Ein kurzer Wortwechsel folgte, dann hörte er laut und deutlich die Stimme seines Bruders.

 „Steve? Bist du noch dran?“

 „Ja, klar. Was ist denn los bei euch?“

 „Es ist soweit.“ Alex seufzte vernehmlich.

 Steve schluckte. „Du meinst…?“

 Alex Stimme zitterte leicht. „Ja. Ich habe AIDS. Die Krankheit ist ausgebrochen.“

 

(...)

 

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