Bäh!

»Eintritt in die Atmosphäre ... jetzt!«
Das ovale Raumschiff ruckelte kaum merklich und näherte sich dem blau-marmorierten Planeten.
»Coole Kugel«, meinte Zing.
Dong nickte zufrieden. »Neng, gibt es dort Leben?«
Eine schnarrende Computerstimme antwortete. »Ja. Teile des Planeten sind sogar dicht bevölkert.«
»Wir müssen mehr über ihn erfahren«, sagte Dong aufgeregt. »Was kannst du feststellen, Neng?«
»Für detaillierte Informationen müssen wir näher an das Objekt heran fahren.«
»Gut. Tarnfunktion aktivieren.«
Es summte leise. »Ist aktiviert.«
»Landung vorbereiten.«
»Landung wird vorbereitet. Wir befinden uns direkt über einer großen Siedlung mit vielen Einwohnern.«
»Perfekt.«
Dong rieb sich die silberfarbenen Knubbelhände und sah hinaus. Er erblickte hohe Gebilde, in denen die sehr unterschiedlich aussehenden Bewohner des Planeten vermutlich lebten, sowie merkwürdige metallisch Dinger, die sich zwischen den Wohngebilden bewegten.
»Die Wesen hier sind technisch auf einem guten Weg, liegen jedoch weit hinter unseren Erkenntnissen zurück«, berichtete Neng.
»Also ein Haufen degenerierter Doofdeppen«, seufzte Zing und kassierte einen scharfen Blick von Dong.
Neng fuhr fort. »Zwecks Lebenserhaltung werden pflanzliche und tierische Produkte verzehrt.«
Dong betrachtete die Bilder auf dem Monitor.
»Die Lebewesen ernähren sich hautsächlich von so etwas: Sie nennen ihre Nahrung Gemüse, Obst, Getreide, Kühe, Schweine, Geflügel, Eier oder Fische.«
Dong nickte. »Interessant.«
»Soll das ein Witz sein?« Zing verzog angewidert das runde, glänzende Gesicht. »Schon der Gedanke ist ekelhaft.«
»In einigen Regionen gibt es Überfluss, so dass viel Nahrung vernichtet wird«, berichtete Neng weiter.
»In anderen Bereichen des Planeten jedoch gibt es viel zu wenig, so dass die Spezies dort extremen Leiden ausgesetzt sind und zu einem großen Teil sogar eingeht.«
»Die sind ja noch dämlicher als ich dachte«, murmelte Zing verächtlich.
Dong ließ sich nicht beirren. »Was gibt es noch?«, fragte er.
»Probleme, hauptsächlich Probleme«, antwortete Neng. »Offenbar ist die Spezies dabei, ihren Lebensraum und sich selbst langsam zu vernichten. Die Natur wird stückweise zerstört und die Einwohner töten sich gegenseitig in so genannten Kriegen.«
»Ich sag’s ja: verkorkste Vollidioten«, sagte Zing mit Triumph in der Stimme.
»Für mich hört es sich nach einer Herausforderung an«, widersprach Dong gereizt. »Wir könnten die Wesen erforschen und ihnen viel beibringen. Außerdem hätten wir, nachdem unser Planet von diesem Meteoriten getroffen wurde, endlich wieder eine Heimat.«
Zing schnaubte. »Vergiss es, ich will hier nicht bleiben!«
»Regiert werden die einzelnen Bereiche von diesen Personen«, unterbrach Neng die Diskussion und zeigte erneut einige Bilder. Darunter standen jeweils Namen.
»Kim Jong Un, Merkel, Macron, Erdogan, Putin ...« Dong brach erschrocken ab, als Zing bei dem nächsten Bild aufschrie. »Aaah! Was ist das für ein scheußliches Ungetüm?«
»Ein gewisser Donald Trump«, las Dong. »Der sieht in der Tat noch grausiger aus als die anderen Regierer.«
»Ich zitiere mal, was ich über ihn gefunden habe«, ließ sich Neng vernehmen. »Donald Trump ist ein Immobilien-Gigant mit unermesslichem Vermögen, einem eruptiven Selbstbewusstsein, einer Aufmerksamkeitsspanne wie ein Kleinkind mit ADHS und völlig verdrehtem Realitätsbewusstsein. Er ist homophob, sexistisch, kritikresistent und rassistisch. Diese Eigenschaften machen den mächtigsten auch zum gefährlichsten Mann auf der Erde.«
Zing schüttelte den Kopf. »Mach, was du willst, Dong, aber ich bleibe nicht hier. Am Ende werden wir ebenfalls zu so grimmig guckenden Gehirnallergikern. Du lieber Himmel, wer ist das? Sieht aus wie sein kleiner Bruder.«
»Negativ«, beschied Neng. »Höchstens ein Bruder im Geiste. Dieser Mann heißt Boris Johnson, er wirbelt ebenso viel Staub auf wie sein Doppelgänger.«
»Hier wimmelt es ja nur so von Irren, die das Sagen haben.« Zing schauderte. »Dong, ich flehe dich an, lass uns schnell von hier verschwinden. Mir ist dieser Planet nicht geheuer.«
»Wir bleiben«, beschloss Dong energisch. »Sicher sind die meisten dieser seltsamen Wesen fähig, zu lernen.«
»Das glaubst du doch selbst nicht! Sieh dir die verständnislosen Blicke dieser hässlichen Hohlkörper da draußen einmal genauer an.«
Dong reagierte nicht, sondern wandte sich an Neng. »Fahr näher an einen beliebigen Bewohner heran, ich möchte wissen, wie sie sich ausdrücken und miteinander umgehen.«
Auf dem Monitor erschien ein voluminöser Bewohner mit hellem Kopfbewuchs, der auf einer breiten Sitzgelegenheit hockte. Der Blick war abwechselnd auf ein rechteckiges Gerät in der Hand und auf kleinere Ausgaben der Spezies gerichtet, die auf merkwürdigen Geräten herumkrabbelten.
»Ein sogenannter Spielplatz«, erklärte Neng. »Hier vergnügt sich der Nachwuchs und perfektioniert dabei seine Reaktionen und motorischen Fähigkeiten.«
Zing rollte mit den Augen. »Bis zur Perfektion ist es bei denen aber noch ein weiter Weg.«
»Zing, du übertreibst. Ja, sie sind anders als wir, doch ich bin sicher, wir können den Wesen hier aufzeigen, was sie tun können, um damit sich und ihren Planeten zu retten.«
In diesem Moment hob der aufpassende Bewohner den Kopf und brüllte mit schriller Stimme: »Mandy-Chantal, du verflixten Satansbraten, tu das wech, dat is bäh! BÄH!«
Zing warf Dong einen langen Blick zu.
Er räusperte sich. »Also gut, wir suchen weiter. Neng, Austritt aus der Atmosphäre vorbereiten.«