Mordfall in Pink

Das melodische Klingeln war kaum verstummt, da öffnete sich schon die Tür. Ein schlanker Mann um die dreißig musterte die Kommissare Carsten Andresen und Lutz Weichert argwöhnisch.

„Ja?“
„Andresen, Kripo Flensburg. Das ist mein Kollege Weichert. Wir möchten zu Frau Neumann.“
Der Mann drehte sich halb herum. „Pinky, kommst du mal?“
„Was ist denn?“ Eine zierliche blonde Frau mit pinkfarbenem Lippenstift tauchte in Andresens Blickfeld auf. „Mord in den Dünen läuft gerade, du weißt doch, wie gerne ich … Oh, hallo.“
„Guten Tag. Pia Neumann?“
„Ja. Und Sie sind …?“
„Die Herren sind von der Kripo“, erklärte der Mann.
„Dürfen wir hereinkommen?“, fragte Weichert. „Es geht um Maximilian Schiller.“
Pia Neumann seufzte und ließ die Beamten in den geräumigen Flur treten. „Was hat Max getan?“
„Dazu komme ich gleich.“ Andresen wandte sich an den Mann, der ihnen geöffnet hatte. „Wie ist Ihr Name?“
„Achim Schwarz. Ich bin der Lebensgefährte von Frau Neumann.“
„Was ist denn nun mit Max?“, fragte sie ungeduldig.
Andresen schaute sie ernst an. „Er wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden.“
Sie schlug sich eine Hand vor den Mund. Die langen pinkfarbenen Fingernägel glänzten und waren ein starker Kontrast zu ihrem braungebrannten Gesicht. „Max ist tot?“
Andresen nickte. „Kannten Sie ihn, Herr Schwarz?“
„Flüchtig, ja. Er war Pinkys Exfreund.“ Achim Schwarz zog seine Freundin an sich und strich ihr tröstend über den Rücken. „Jetzt hat der Albtraum endlich ein Ende“, flüsterte er und küsste ihr Haar.
Andresen und Weichert tauschten einen Blick. „Aus Unterlagen in Schillers Wohnung wissen wir, dass Sie ihn mehrfach wegen Stalkings angezeigt haben, Frau Neumann.“
Sie löste sich aus den Armen ihres Freundes und nickte. „Es war furchtbar. Unsere Trennung liegt fast ein Jahr zurück, aber er konnte sich einfach nicht damit abfinden. Er rief immer wieder an, lauerte mir auf, bombardierte mein Handy mit Nachrichten …“ Sie räusperte sich. „Was ist denn passiert?“
„Ein Kopfschuss aus nächster Nähe“, sagte Weichert.
„Oh mein Gott! Er wurde umgebracht?“
Andresen nickte. „Deshalb sind wir hier. Haben Sie eine Ahnung, wer das getan haben könnte?“
Pia Neumann schüttelte den Kopf. Sie wirkte wie versteinert.
„Auf seinem Leichnam lag eine Blume“, sagte Andresen und beobachtete die beiden vor ihm genau. „Eine rosafarbene Rose aus Plastik. Sagt ihnen das etwas?“
„Nein“, antwortete Achim Schwarz und warf Pia Neumann einen kurzen Blick zu. „Dir sagt das auch nichts, richtig, Schatz?“
Sie wich Andresens Blick aus und schüttelte den Kopf.

„Fanden Sie nicht auch, dass dieser Herr Schwarz auf meine Frage wegen der Blume einen Tick zu schnell geantwortet hat?“, fragte Andresen, als sie wieder im Büro waren.
„Schon“, meinte Lutz Weichert und nippte an seinem Ingwertee, „aber ihre Alibis scheinen wasserdicht zu sein. Ich werde sie natürlich noch überprüfen, doch Schichtdienst im Krankenhaus und ein Klassentreffen, das gut eine halbe Stunde vom Tatort entfernt stattfand – ich schätze, die zwei haben wirklich nichts mit dem Mord zu tun.“
„Mag sein, aber dieser Schwarz ist mir ein Dorn im Auge“, sinnierte Andresen.

Lutz Weicherts Ahnung bestätigte sich. Achim Schwarz hatte das Klassentreffen im "Café Central" nur einmal für wenige Minuten verlassen, als er die Waschräume des Restaurants aufgesucht hatte. Das wurde von sämtlichen Teilnehmern des Treffens bestätigt. Und Pia Neumanns Kollegin sagte aus, dass diese die ganze Nacht auf der Station gewesen sei.
Laut dem Protokoll der Gerichtsmedizin musste der Täter knapp 1,90 m groß gewesen sein, was ebenfalls bestätigte, dass weder Schwarz, der keine Einsachtzig maß, noch Frau Neumann etwas mit der Tat zu tun haben konnten.
Andresen blätterte frustriert durch die wenigen Fotoalben, die sie in der Wohnung des Opfers gefunden hatten. Plötzlich hielt er inne und runzelte die Stirn. „Schauen Sie mal“, sagte er.
Weichert stand auf und trat neben ihn.
„Pia Neumann hatte zu Beginn ihrer Beziehung mit Max Schiller rosafarbenes Haar“, sagte Andresen und tippte auf ein Foto, das das Pärchen an einer Schießbude zeigte. Pia Neumann hielt eine dunkelrosa Plastikrose in der Hand und unter dem Foto stand: ‚Pinky und ich – Jahrmarkt September 2015“.

Obwohl alles auf Pia Neumann oder ihren Lebensgefährten hindeutete, sie konnten es nicht gewesen sein. Bei einer weiteren Vernehmung bestätigte Frau Neumann zwar sowohl ihre frühere Haarfarbe als auch den Schnappschuss vom Jahrmarkt, doch Tatsache blieb: Ihr Alibi und auch das von Achim Schwarz waren absolut wasserdicht.
„Wir müssen etwas übersehen haben“, knurrte Andresen und raufte sich das dürftige Kopfhaar. „Lassen Sie uns nochmal die Zeugenaussagen von Schillers Nachbarn durchgehen.“
Den Schuss hatten mehrere gehört, doch das war alles. Bis auf eine Nachbarin, die meinte, einen fremden Mann gesehen zu haben, der kurz nach dem Schuss die Treppe nach unten eilte. Sie hatte – ängstlich, aber vor allem neugierig - durch ihren Türspalt einen Blick in den Hausflur geworfen. Auf die Frage, wie der Mann ausgesehen habe, meinte sie, er hätte sie an einen bekannten Schauspieler erinnert. Der Name allerdings fiel ihr nicht ein.
„Wir sollten noch einmal mit ihr reden“, schlug Weichert vor. „Vielleicht fällt ihr ja doch noch ein, welcher Schauspieler dem Täter ähnelte.“

Frau Schöngruber antwortete willig auf ihre Fragen. War es ein deutscher oder ein amerikanischer Schauspieler? Ein deutscher, da war sie sicher. In welchen Filmen hatte er mitgespielt? Ach Gottchen, Titel konnte sie sich noch weniger merken als Namen. Aber sie glaubte, er spiele die Hauptrolle in einer dieser norddeutschen Krimiserien.
Weichert nahm Google zu Hilfe und zeigte der Nachbarin Bilder von deutschen Serien-Kommissaren. Immer wieder schüttelte sie den Kopf, dann straffte sie plötzlich die Schultern und tippte mit dem Zeigefinger auf ein Foto. „Der da, den meinte ich! Genauso sah der Mann im Treppenhaus aus. Aber er hatte einen Schnurrbart und trug so eine Schirmmütze.“

„Johannes Berlau“, murmelte Andresen im Auto. „Bekannt, erfolgreich, attraktiv. Lebt in Husum, also nicht sehr weit weg, und ist locker einsneunzig groß. Aber warum sollte er sich so stümperhaft verkleiden und den Ex-Freund von Pink Pia töten?“
„Ich habe keine Ahnung“, musste Weichert zugeben, den Blick auf sein Smartphone gerichtet. „Ich glaube auch nicht, dass er es war. Eher ein Doppelgänger. Merkwürdig ist das aber schon, dass ausgerechnet ein Mann am Tatort gesehen wurde, der so aussieht wie der Hauptdarsteller in Pia Neumanns Lieblingsserie.“
„Das kann allerdings auch ein blöder Zufall sein.“
„Ja, vielleicht. Oh, hier steht, Berlau dreht gerade eine weitere Serienfolge – ganz in der Nähe.“
Andresens Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. „Ich wollte schon immer mal Dreharbeiten aus der Nähe erleben.“
Die Fernsehleute von „Mord in den Dünen“ hatten sich auf der Halbinsel Holnis bei Glücksburg ausgebreitet. Andresen und Weichert mussten eine Weile warten, doch schließlich fand Johannes Berlau Zeit für ein Gespräch.
„Sie sind von der Polizei, sagte die Regieassistentin“, begrüßte er sie. „Dann sind wir also praktisch Kollegen!“ Er lachte wiehernd.
„So ungefähr“, presste Andresen hervor.
„Wie kann ich Ihnen denn helfen?“
Sein Ton klang so herablassend, dass Andresens Fäuste sich wie von selbst ballten. Er musterte sein Gegenüber. Berlau trug das dunkle Haar in wilder Unordnung und sein Outfit – Jeans, T-Shirt und Lederjacke – wirkte mitgenommen. Sein rechtes Auge war geschwollen. Erst auf den zweiten Blick erkannte Andresen, dass das Veilchen geschminkt war.
„Hatte gerade eine Prügelei am Strand“, erklärte Berlau lässig seinen Aufzug. „Im TV ist die Polizeiarbeit ein wenig aufregender als im echten Leben, was?“ Er lachte wieder und klopfte Sand von seinen Klamotten.
Wäre schön, wenn er seine Arroganz auch abklopfen könnte, dachte Andresen genervt.
„Sagt Ihnen der Name Maximilian Schiller etwas?“, fragte er und zeigte Berlau das Foto von Schiller und ‚Pinky‘ Neumann.
Berlau warf einen uninteressierten Blick auf das Bild. „Maximilian Schell ist mir ein Begriff, aber Schiller? Nein. Wer soll das sein?“
Während Weichert ihn aufklärte, beobachtete Andresen Berlaus Reaktion. Er schien tatsächlich ahnungslos zu sein. Allerdings war der Mann Schauspieler. Er wusste sich zu verstellen.
„Gestern Abend?“, fragte er, als sich Andresen nach seinem Alibi erkundigte. „Da war ich zu Hause. Ich habe ferngesehen und bin früh schlafen gegangen.“
„Kann Ihre Frau das bezeugen?“
„Leider nicht. Sie ist für eine Woche mit den Kindern nach München gefahren, zum Geburtstag ihrer Mutter. Sagen Sie, warum wollen Sie das überhaupt wissen? Verdächtigen Sie mich etwa, einen Mann, den ich nicht kenne, umgebracht zu haben?“ Er zwinkerte. „Leute, das ist doch idiotisch. So ein Drehbuch würde mein Produzent auf der Stelle zerreißen.“
„Wir handeln nicht nach Drehbuch, sondern werten Fakten aus“, entgegnete Andresen kühl. „Darum müssen wir Sie bitten, nach Abschluss der Dreharbeiten aufs Präsidium zu kommen.“
Dieses Ansinnen ließ das breite Lächeln verschwinden. Mürrisch sagte Johannes Berlau zu, dann drehte er sich um und stapfte grußlos davon.

Die Vernehmung am späten Nachmittag brachte rein gar nichts. Berlau blieb dabei, er kannte Schiller nicht, sei zur Tatzeit in Husum gewesen und empfand den Verdacht gegen ihn als ‚albernes Schmierentheater‘. Schließlich nahmen sie eine DNA-Probe, seine Fingerabdrücke und ließen ihn dann gehen.
„Irgendwas gefällt mir nicht an dem Kerl“, sagte Weichert.
„Geht mir genauso.“ Andresen stand auf. „Kommen Sie, wir fahren ihm nach.“
„Weswegen?“
„Ich weiß nicht. Es ist so eine Ahnung. Wollen Sie jetzt mitkommen oder nicht?“
Weichert schnappte sich sein grasgrünes Jackett von der Garderobe. „Wir sollten uns beeilen, damit er uns nicht entwischt.“

„Was, zum Teufel, macht er da?“, fragte Andresen verwirrt. Sie standen an einer Ampel direkt hinter Johannes Berlau, der mit den Fingern an seinem Mund herumfummelte.
Weichert beugte sich vor, die Augen verengt. „Schwer zu sagen. Vielleicht drückt er sich nur einen Pickel aus.“
„Haben Sie etwa Hautunreinheiten an diesem Schönling entdeckt?“, wollte Andresen wissen. „Also, ich nicht.“
Sie folgten Berlau bis zu einer ruhigen Wohnsiedlung im Stadtteil Mürwik. Er parkte seinen BMW vor einem Einfamilienhaus, stieg aus dem Wagen und sah sich um. Auf dem Kopf trug er nun ein Basecap.
„Er hat sich einen Bart angeklebt! Deshalb die Fummelei an den Lippen“, kapierte Andresen. „Jetzt sieht er doch exakt so aus wie der Kerl, den diese Nachbarin beschrieben hat.“
„Frau Schöngruber.“
„Genau die.“
Berlau ging auf das Haus zu, zog einen Schlüssel hervor und war wenig später verschwunden.
Nun stiegen auch Andresen und Weichert aus und steuerten das Haus an. Durch das Küchenfenster konnten sie erkennen, dass Berlau sich der Mütze und des Bartes entledigt hatte. Er streichelte die Wange einer jungen Frau, bückte sich und hielt plötzlich ein etwa zweijähriges Mädchen im Arm. Mit einem glücklichen Lächeln strahlte er das Kind an.
„Ob seine Familie in Husum etwas von dieser Idylle weiß?“, flüsterte Andresen.
„Fragen wir den TV-Kommissar doch einfach mal.“ Weichert erwiderte das Grinsen seines Kollegen und drückte auf die Klingel.
Die junge Frau öffnete und das glückselige Lächeln von Johannes Berlau, der hinter ihr stand, gefror, als er den Besuch erkannte.

„Ich kenne diesen Herrn Schiller nicht!“, wiederholte Berlau aufgebracht, während er in dem modern eingerichteten Wohnzimmer auf- und abging. „Was für ein Motiv sollte ich haben, den Mann zu ermorden?“
„Immerhin hat eine Nachbarin Sie erkannt“, sagte Andresen unbeeindruckt. „Trotz Ihrer Verkleidung. Und Sie haben kein Alibi.“
„So arbeitet also die echte Polizei heute?“, fragte Berlau abfällig. „Sie haben die Aussage einer Rentnerin, die vermutlich kaum noch sehen kann, und die Tatsache, dass ich mein Aussehen leicht verändere, um etwas Privatsphäre zu haben. Ich rufe meinen Anwalt an, der wird Ihnen –“
Die blechern klingende Hymne der Handballmannschaft SG Flensburg-Handewitt unterbrach ihn. Andresen zog sein Handy hervor. „Es ist Mirja“, sagte er an Weichert gewandt und meldete sich. Gebannt lauschte er den Ausführungen ihrer Kollegin. Als er auflegte, lächelte er zufrieden.
„Man hat Ihre DNA mit den gefundenen Spuren vom Tatort verglichen. Und stellen Sie sich vor; dicht bei der Leiche fanden sich einige Haare von Ihnen.“ Er steckte sein Handy wieder weg. „Jetzt ist der richtige Moment für einen bühnenreifen Monolog, was meinen Sie?“

Eine Stunde später – es war inzwischen dunkel geworden – klingelten die Kommissare bei Pia Neumann und Achim Schwarz.
„Wir haben den Mörder von Max Schiller gefunden“, verkündete Andresen.
„So schnell?“ Pia bat die Beamten ins Haus und schien sich ehrlich zu freuen. „Das ist ja fantastisch, nicht wahr, Liebling?“
„Wie? Oh, ja, das ist wirklich … wirklich beeindruckend.“ Schwarz räusperte sich. „Und? Wer ist es?“
Andresen lächelte. „Na, hören Sie mal, das wissen Sie doch.“
Der Ausdruck auf dem Gesicht von Achim Schwarz verdüsterte sich. Pia Neumann schaute irritiert von Andresen zu ihrem Freund. „Was hat das zu bedeuten, Achim?“
„Ich habe es nur für dich getan“, versicherte Schwarz. Seine Mundwinkel zuckten. „Du hast so gelitten unter Max‘ Belästigungen. Ich wollte, dass er endlich aus unserem Leben verschwindet. Nur wie, das wusste ich nicht. Doch dann entdeckte ich vor ein paar Wochen in dem Wagen neben mir an der Ampel den Schauspieler Johannes Berlau, den du so magst. Ich wollte dir eine Freude machen und fuhr ihm hinterher, um ihn um ein Autogramm und ein Foto zu bitten. Als er irgendwo in Mürwik aus dem Auto stieg, sah er plötzlich ganz anders aus. Das machte mich neugierig. Ich spionierte ihm ein wenig hinterher und bekam bald heraus, dass er ein Doppelleben führt. Er hat hier in Flensburg noch eine zweite Familie, von der seine Frau und seine Kinder in Husum nichts wissen. Damit hatte ich ihn in der Hand.“
Weichert nickte. „Und das nutzten Sie für Ihre Pläne aus.“
„Natürlich, die Gelegenheit war einfach zu gut. Und ich war logischerweise davon ausgegangen, dass niemand eine Verbindung zwischen Max und dem bekannten Schauspieler Johannes Berlau herstellen würde. Zudem wollte ich mit der pinkfarbenen Rose für Verwirrung sorgen. Ich kannte das Foto, sie hat es in einem alten Album und erzählte mir mal, dass auch Max ein Exemplar besitzt. Die Rose entdeckte ich schon vor einiger Zeit zufällig in einer Kiste auf dem Dachboden. Ich gab sie Berlau, sagte ihm, er solle sie auf die Leiche legen. Dann brauchten Pinky und ich nur noch sichere Alibis, damit wir nicht als Täter in Frage kommen. War doch eigentlich ein genialer Plan, oder?“ Er schaute zu Andresen und Weichert, als warte er auf Zustimmung, doch die beiden schwiegen. Achim Schwarz seufzte. „Was hat Berlau überführt?“
„Eine Zeugenaussage und sein empfindlicher Magen. Ihm ist nach der Tat übel geworden. Ohne nachzudenken hat er die Mütze abgenommen und ist sich durch das Haar gefahren. Unsere Spurensicherung hat einige auf dem Boden gefunden und ausgewertet.“
Weichert schnalzte mit der Zunge. „Ich kann nicht fassen, dass er sich so leicht von Ihnen erpressen ließ.“
„Seine Karriere stand auf dem Spiel“, gab Schwarz zu bedenken. Sie ist ihm wichtiger als alles andere. Ein Sympathieträger wie er, der über Jahre seine Frau betrügt, ist für die Presse ein gefundenes Fressen. Das wollte er nicht riskieren. Und ich konnte ihn davon überzeugen, dass mein Plan narrensicher ist.“
„Was er ja letztendlich doch nicht war.“ Andresen zückte die Handschellen.
Der Anblick schien Pia aus ihrer Schreckstarre zu holen. Sie schrie auf und schlang die Arme um den Hals von Achim Schwarz. Presste sich an ihn. „Nein! Lassen Sie ihn in Ruhe“, rief sie verzweifelt. Ihre pinkfarbenen Lippen zitterten. „Er ist kein Mörder! Er hat es aus Liebe getan. Aus Liebe zu mir!“
„Tut uns leid, doch der Spruch, dass im Krieg und in der Liebe alles erlaubt ist, ist nicht mehr zeitgemäß“, antwortete Andresen und schob die weinende Pia Neumann sanft, aber entschlossen zur Seite.
Als Schwarz wie ein begossener Pudel im Fond des Dienstwagens saß, schüttelte Andresen den Kopf. „Die letzte Szene hatte was von Romeo und Julia mit pinkfarbenem Anstrich“, sagte er zu Weichert.
Der lachte. „Sie brauchen jetzt bestimmt einen maskulines Feierabendbier, stimmt’s?“
Andresen atmete tief durch und öffnete die Fahrertür. „Darauf können Sie wetten!“