Vielfältige Unterhaltung für zwischendurch!

 

Ein romantisches Dinner entwickelt sich völlig anders als gedacht, eine neue Spielshow verlangt ihren Kandidaten alles ab, ein geläuterter Ex-Knacki wird zu einem letzten Auftrag erpresst und der G7-Gipfel verlief vielleicht ganz anders, als man uns weismachen möchte ...

"PatchWords reloaded" von Britta Bendixen bietet spannende Krimis, rührende Dramen und amüsante, stets mit einem Augenzwinkern erzählte Geschichten für zwischendurch.
Die Themanvielfalt dieser unterhaltsamen Lektüre verspricht ein kurzweiliges Lesevergnügen für jeden!

Leseprobe "PatchWords - Reloaded"

Da ich hin und wieder auch gern dichte, stelle ich euch an dieser Stelle eine meiner Balladen vor.

Ich wünsche viel Vergnügen!

Die Verhöhnung des Königs von Böhmen - Eine Schmäh-Ballade

 

Es gab vor vielen hundert Jahren
im wunderschönen Böhmerland
‘nen Spielmann mit recht schütt‘ren Haaren,
als Jan vom Böhmerland bekannt.

Mit seiner Laute sang er Lieder
auf Plätzen oder in Spelunken.
Er sang sie laut und immer wieder,
selbst wenn die Zuhörer betrunken.

Jans Lieder waren zwar sehr ehrlich,
doch ohne jeglichen Respekt.
Sie waren somit auch gefährlich,
da Hohn und Spott nicht gut versteckt.

Zumeist sang er von Ottokar,
der Böhmens hart regier’nder König.
Was zwar fürs Volk erheiternd war,
für Ottokar wohl aber wenig.

Heut nun klopft Jan in kalter Nacht
an ein bewachtes Burgentor.
Den Tag hat er im Schnee verbracht,
fleht zitternd um ein off’nes Ohr.

„Kommt nur herein, hier könnt Ihr spielen“,
lädt eine Wache fromm ihn ein.
„Ihr müsst nun nicht noch länger frieren,
bekommt gar Brot und heißen Wein.“

An langen Tafeln in der Halle
sitzen die Höflinge und schlemmen.
prächtig gelaunt, so wirken alle,
Jan muss sich nur dazwischen klemmen.

Er trinkt von dem gewürzten Wein,
isst Fleisch und Brot und fühlt sich wohl.
So könnte es gern immer sein,
denkt er und nimmt sich etwas Kohl.

Wie gerne würde er hier singen,
vor Rittern, Knappen, hübschen Bräuten.
Das könnte ihm Bekanntheit bringen
im Kreis von reichen Edelleuten.

Er spült grad einen Bissen runter,
als jäh ein Raunen ihn erreicht.
Waren die Leute grad noch munter,
so wirken ernst sie nun und bleich.

Ein großer Mann tritt an die Tafel,
worauf sich alle rasch erheben.
Abrupt verstummt jedes Geschwafel.
Nur Jan scheint auf der Bank zu kleben.

Ein Ritter zischt: „Erhebt Euch, Narr!
Erweist dem König den Respekt.“
Jan springt rasch auf, steht still und starr.
Hofft, dass der Ritter ihn verdeckt.

Sein schlimmster Alptraum holt ihn ein,
dass nämlich Ottokar erfährt,
dass jemand ihn besingt als Schwein
das nicht auf einen Thron gehört.

Nachdem der Herrscher sich gesetzt,
fahr’n alle mit dem Essen fort.
Jan sieht sich um. Nervös, gehetzt.
Wünscht sich weit weg von diesem Ort.

Ein Bote tritt zum König hin
und Ottokar scheint gleich ganz Ohr.
„Mach, dass ich nicht das Thema bin“,
fleht Jan, doch – „Spielmann, tretet vor!“

Ottokar, der Böhmen-König,
winkt Spielmann Jan zu sich herauf.
Dieser fürchtet sich nicht wenig,
steht aber dennoch zögernd auf.

„Kommt, spielt für uns“, spricht Ottokar,
„lasst laut erklingen Eure Lieder.
Vielleicht seid Ihr ganz wunderbar.
Dann dürft Ihr kommen immer wieder.“

Mit heißen Wangen fängt Jan an,
auf seiner Laute nun zu spielen.
Zu dumm, dass er nichts and’res kann,
als böse auf den Herrscher zielen.
.
So singt Jan eins der Schmähgedichte,
doch vorsichtig und viel zu leise,
denn diese boshafte Geschichte
verspricht ihm seine letzte Reise.

Der König wird vor Wut erbeben,
ihn hängen oder foltern lassen.
Verwirkt hat er sein bisschen Leben.
Jan kann den Schicksalsschlag nicht fassen.

„Spielt lauter, ich kann Euch nicht hören!“,
ruft Ottokar mit bösem Blick.
„Ihr sollt mit Eurem Lied betören.
Wenn nicht, erwartet Euch der Strick.“

Verzweifelt fängt Jan an zu singen,
von Ottokars viel ältr‘em Weib
und von den unsagbaren Dingen
die er wohl tut mit ihrem Leib.

Er singt von jeder Peinlichkeit,
verhöhnt ganz frech des Königs Rute,
bezeichnet sie als ‚Kleinigkeit‘

und nennt die Königin ‘ne Stute.

Jan singt und spielt nun um sein Leben,
gehässig, boshaft, ohne Scham.
Nun möchte er auch alles geben,
es kommt ja nicht mehr darauf an.

Schließlich verklingt der letzte Ton,
Jans Spottgedicht, es ist beendet.
Stumm sitzt der König auf dem Thron.
Jan ahnt, dass nun sein Dasein endet.

Die Menge atemlos verharrt,
Entsetzen wogt quer durch den Raum.
Der König auf den Spielmann starrt,
der betet, dies sei nur ein Traum.

Des Königs Miene ändert sich,
um seine Augen sieht man Falten,
Erst kichert er noch zögerlich,
dann kann er nicht mehr an sich halten.

Fängt an zu prusten, lacht vergnügt,
krümmt sich sogar vor Heiterkeit.
Jans Todesangst nun schnell verfliegt,
er fühlt sich wunderbar befreit.

Gelächter dröhnt bald von den Wänden,
ein jeder Mann lacht schallend mit.
Jan hält die Laute in den Händen
als Böhmens König zu ihm tritt.

„Ich schätze Ehrlichkeit und Mut,
und beides habt Ihr heut gezeigt.
Habt Wasser ausgeschwitzt und Blut,
doch keinesfalls den Kopf geneigt.

Dies Lied besticht mit Bissigkeit
und amüsant ist’s obendrein.
Jedoch, das mit der ‚Kleinigkeit‘,
das lasst Ihr künftig besser sein.“

Jans fühlt erleichtert sich und schwach,
auch etwas Stolz ist wohl dabei.
Hat er doch schon voll Angst gedacht,
sein Leben wäre nun vorbei.

Doch Ottokar bewies Humor,
und davon gar nicht mal so wenig.
Und das, so sagt sich Jan jetzt vor,
beweist, er ist ein guter König.

 

 

ENDE