Lovestorys für die schönste zeit des jahres!

 

 

DAS ERSTE "AUTORENWIESE"-PROJEKT!

 

Aus einer vagen Idee wurde dieses Buch. 16 Urlaubs-Lovestorys, die den Leser von der Ostsee über Italien und Spanien bis nach Frankreich, Mexiko, Indien und Südafrika führen.

 

Gemeinsam mit meinen Mit-Autoren ist es mir gelungen, eine Urlaubslektüre zusammenzustellen, die auf 172 Seiten mit Herzklopfen, Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude um die Ecke kommt, und dabei jede Menge Urlaubsflair verbreitet. 

 

Hier der Link zum Buch:

https://www.amazon.de/Sommer-Sonne-Schmetterlinge-Britta-Bendixen/dp/3755783215/ref=sr_1_1?crid=2SB610HPSRDG0&keywords=sommer+sonne+schmetterlinge&qid=1663062438&sprefix=Sommer+sonne+schmet%2Caps%2C87&sr=8-1

 

Die im Buch vertretenen Autoren sind (alphabetisch geordnet):

Charlotte Armao, Britta Bendixen, Anka Chilla, Herbert Glaser, Gianna Goldenbaum, Werner Hajek, Ulrike Kemmling, Marten Petersen, Christa Reusch,  Jana Rösner und Beate Weirich.

Lesermeinung

von Michael Kothe, Autor

 

 

VON MITGEFÜHL BIS GÄNSEHAUT

 

Erster Eindruck:
Nein, Love-Stories gehören gewiss nicht zu meinem Lieblingsgenre! Als aber einer der Autoren mir die kleine Sammlung vermachte, las ich gleich seine kurze Liebesgeschichte – und war begeistert. Die übrigen Erzählungen sind in einem anderen Stil geschrieben und regen andere Saiten des Lesers an. Jedoch gibt es keine einzige Geschichte, die mir nicht gefallen hätte.


Inhalt:
Sechzehn Liebesgeschichten umfasst das Büchlein, alle mit einer gefühlten Lesezeit zwischen fünf und zehn Minuten. Verschmähte Lieben, die wiedergefunden werden wollen, Enttäuschungen wegen eines verpassten oder vermeintlich unmöglichen Wiedersehens … oder auch die Geschichte »Wineglass Bay« eben jenes Autors, die so unschuldig beginnt und mit ihrem Ende bei mir eine Schockstarre auslöste. Mit diesem (hervorragenden!) Schluss hatte ich nicht gerechnet. Die meisten Enden sind jedoch – dem Genre ist’s geschuldet! – vorhersehbar. Das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Alle sind für die eine oder andere Träne der Rührung gut, wie man es erwartet. Das Päckchen Tempo muss aber nicht in Griffnähe bereitliegen.


Schreibstil:
Eine Geschichtensammlung zu analysieren, fällt sogar mir als Autor schwer, der liest, um schriftstellerisches Handwerk zu werten und daraus auch für sich „Honig zu saugen“. Britta Bendixen hat jedoch eine Anthologie zusammengestellt, die diesen Namen verdient. Jede im Buch vertretene Autorin, jeder Autor stellt ein schriftstellerisches Können unter Beweis, mit dem sie oder er sich nicht scheuen müsste, ein größeres Werk zu schreiben. Alle Geschichten fangen treffend die gelöste Stimmung einer Urlaubsidylle ein oder die Niedergeschlagenheit einer „Sitzengelassenen“ und lassen den Leser eintauchen in das geschilderte Bild etwa vom Traumstrand, vom spanischen oder italienischen Ristorante. Spritzige Dialoge wechseln mit malerischen Beschreibungen ab, Sprache und Gedanken passen zum Setting, die Figuren sind plastisch und greifbar vorgestellt. Trotz der vorhersehbaren unvermeidlichen happy Ends mag man als Leser das Buch einfach nicht zur Seite legen, so sympathisch und einfühlsam wird hier geschrieben. Deutlich wird hierbei der Unterschied in Handlung und Stil zwischen Autorinnen und Autoren. Bei der Anzahl der Geschichten hat Venus gegenüber Mars die Nase vorn.


Fazit:
Britta Bendixen, in der ich sonst eher eine Kriminalschriftstellerin sehe, legt als Herausgeberin mit »Sommer, Sonne, Schmetterlinge« ihren Leserinnen und Lesern eine Sammlung sympathischer, eindringlich und auch stilistisch gut geschriebener Love-Stories vor, die zum Mitfühlen und zum Träumen einladen. Oftmals Gänsehaut-Geschichten. Ach ja – noch eins! Was in Anthologien selten zu finden ist, findet hier meine Hochachtung: Der Verzicht auf jegliche Rechtschreib- und Grammatikfehler. Stattdessen stößt der Leser trotz der unterschiedlichen Schreibstile der versammelten elf Autor*Innen stets auf ein gehobenes Sprachniveau. Chapeau!

 

Leseprobe "Wiedersehen am Meer" von Britta Bendixen

 

Der Strand war menschenleer. Nur ein paar Möwen, die sich vom Wind tragen ließen, und die rasch dahinziehenden Wolken leisteten Felicitas Gesellschaft.

Sie liebte das Meer, seine vielen Gesichter. Heute wirkte es zornig und aufgewühlt, mit Schaumkronen, die sich wie ärgerlich zusammengezogene Augenbrauen kräuselten. An anderen Tagen war es friedlich und ausgeglichen. Dann glitzerte es im Sonnenlicht und wirkte mit seinem Kleid aus zahllosen funkelnden Pailletten wie eine herausgeputzte, bestens gelaunte Diva.

Auch den Wind mochte Felicitas. Es gefiel ihr, wenn er an ihrer Jacke zerrte und durch ihr Haar fuhr wie ein leidenschaftlicher Liebhaber. Wenn er ihr Gesicht stürmisch küsste und eine sanfte rote Tönung auf ihren Wangen hinterließ. Sie war froh, dass sie sich zu diesem Spaziergang aufgerafft hatte. Tom hatte keine Lust gehabt, sie zu begleiten und im Grunde war sie froh darüber.

Dabei konnte sie sich glücklich schätzen, ihn gefunden zu haben. Tom war freundlich, half im Haushalt, war zärtlich, rücksichtsvoll und fürsorglich. Ihre zahlreichen Macken tolerierte er mit einem nachsichtigen Lächeln. Er war der perfekte Ehemann.

Felicitas sah zum Himmel hinauf, der an diesem Herbstnachmittag wie ein riesiges göttliches Gemälde aussah. Wolkenberge in verschiedenen Rosa- und Grautönen zogen eilig vorbei, als hätten sie einen wichtigen Termin, zu dem sie nicht zu spät kommen wollten.

Sie betrat den hölzernen Steg. Die Bretter knarrten leise. Etwa in der Mitte des Stegs stützte sie die Unterarme auf das Geländer und sah ins Wasser hinunter.

Hinter ihr erklangen Schritte, die abrupt verklangen.

„Lizzy?“ Es klang verwundert, fast ungläubig.

Sie wandte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war, denn sie hatte tief in ihr eine verstaubte Saite zum Klingen brachte.

Die tief stehende Sonne blendete sie. Felicitas hielt sich eine Hand über die Augen und erkannte nun, wer sie angesprochen hatte.

„Das darf doch nicht wahr sein“, wisperte sie erstickt.

Er lächelte breit und trat näher. „Ich glaube es einfach nicht! Du bist es wirklich.“

Sie sah ihn an und hatte das Gefühl, wieder sechzehn zu sein, so heftig schlug ihr Herz gegen die Rippen. Ein paar kleine Fältchen umrahmten seine schönen dunklen Augen, ansonsten hatte er sich nicht wesentlich verändert. Es war David, ihr David. Ganz eindeutig.

Schon war sie in seiner Umarmung verschwunden. Etwas schnürte ihr die Kehle zusammen, als sie die Wange an seine breite Brust legte, doch dann löste er sich bereits wieder von ihr und musterte sie unverhohlen, die Hände auf ihren Schultern.

„Du siehst gut aus, Lizzy.“

„Danke. Du auch.“

Eine kurze Pause entstand.

„Was machst du hier?“, fragte er.

„Mein Mann und ich verbringen unseren Urlaub in Glücksburg“, berichtete Felicitas. „Aber was tust du in unserer alten Heimat? Irgendjemand erzählte mir, du wärst nach Neuseeland ausgewandert.“

David nickte. „Das stimmt. Doch manchmal muss ich einfach hierher zurückkommen. Hin und wieder vermisse ich den norddeutschen Sinn für Humor.“ Er breitete die Arme aus. „Und diese Luft. Die findet man nirgendwo sonst.“

Sie lächelte. „Das ist wahr.“

Nebeneinander lehnten sie am Geländer, das Meer im Rücken, die Ellenbogen auf dem hölzernen Querbalken der Brüstung. Sie spürte seinen Blick auf sich ruhen.

„Geht es dir gut?“, fragte er.

Sie nickte und mied seinen Blick. „Ja, sicher. Und dir?“

„Jetzt, in diesem Moment?“ Er lachte leise. „So gut wie lange nicht mehr.“

Sie bemerkte das Funkeln seiner Augen. Was sie darin zu sehen glaubte, machte sie verlegen und unvernünftig glücklich zugleich.

David drehte sich um und sah aufs Meer hinaus. „Ich war sicher, ich würde dich nie wiedersehen. Es hat mir das Herz gebrochen, als du damals weggezogen bist.“

„Mir auch, glaub mir. Aber was hätte ich schon tun können? Um allein hier zu bleiben, war ich zu jung.“

„Du hast versprochen, zu schreiben, doch du hast es nie getan“, erinnerte er sie. „Warum nicht?“

Es fiel ihr schwer, seinem intensiven Blick standzuhalten. „Ich dachte, ein endgültiger Schnitt wäre weniger schmerzhaft.“ Sie lächelte traurig. „Wie sich herausstellte, war das ein Irrtum.“

Nebeneinander verließen sie den Steg und steuerten die Promenade an.

„Hast du Familie?“, fragte Felicitas.

David schüttelte den Kopf. „Nein. Es hat sich irgendwie nie ergeben.“ Ein zärtliches Lächeln begleitete seine nächsten Worte: „Es war eben keine wie du.“

Sie schluckte und drängte die Tränen zurück. Vielleicht hätte ihre Liebe eine Chance gehabt, irgendwann früher. Doch nun war es zu spät. Sie war verheiratet und David lebte am anderen Ende der Welt.

„Wie lange bist du noch hier?“, fragte er.

„Eine Woche.“ 

„Das ist nicht viel Zeit.“ Er strich über ihre vom Wind gerötete Wange. „Machen wir das Beste draus?“

Sie wollte den Kopf schütteln, vernünftig sein. Und sagte: „Ja. Machen wir das Beste draus.“

„Wo ist dein Mann?“

„Er sieht sich im Fernsehen ein Fußballspiel an.“

„Komm“, sagte David. „Gehen wir einen Kaffee trinken.“

Wenig später betraten sie ein nahegelegenes Café. Dezentes Geplapper und leises Gelächter vermischte sich mit dem Klappern von Geschirr. Die Luft roch nach frisch gemahlenem Kaffee. Felicitas und David fanden einen Tisch und bestellten. Kurz darauf standen zwei große Tassen mit Cappuccino vor ihnen. David ließ etwas Zucker auf den Schaum rieseln.

„Was machst du beruflich?“, wollte er wissen.

„Ich arbeite in einem Hotel, im Sekretariat.“

„Klingt interessant.“

Sie zog eine Grimasse. „Das ist es aber nicht.“

Er legte den Löffel zur Seite, ein fast trauriges Lächeln im Gesicht. „Es ist verrückt. Ich sehe dich an und möchte dich in die Arme nehmen, so wie früher.“

Hitze breitete sich in ihr aus, kroch von den Füßen bis zu ihrer Kopfhaut. Sie schaute ihn an und wusste, es hatte keinen Zweck, ihm – oder sich selbst - etwas vorzumachen.

„Mir geht es genauso“, gestand sie leise. „Ich glaube, ich weiß jetzt, warum ich immer das Gefühl hatte, dass mir irgendetwas fehlt.“

„Du bist nicht glücklich mit deinem Mann?“

Sie hob die Schultern. „Es ist nicht seine Schuld. Seit damals war ich nie wirklich glücklich, aber dank Tom war ich auch nicht unglücklich.“

David nickte. „Habt ihr Kinder?“

„Nein. Tom wünscht sich zwar welche, aber ich ... Ich war bisher nicht bereit dafür. Es fühlte sich einfach nicht ... richtig an.“

David sah ihr in die Augen. „Glaubst du an Schicksal, Lizzy?“

„Eigentlich nicht.“ Sie zögerte. „Aber seit heute würde ich zumindest einräumen, dass ich da falsch liegen könnte. Was ist mit dir, glaubst du daran?“

„Oh ja. Das tue ich.“

 

 

 

LESEPROBE ENDE